Im Vorfeld der Partie tönte der Gastgeber schon Wochen vor
dem Spiel großspurig, man wolle mit diesem Spiel den Zuschauerrekord der
NRW-Liga brechen. Das hätte bedeutet, dass mehr als 12.000 Zuschauer den Weg
ins Stadion hätten finden müssen. Für einen Verein, dessen Zuschauerzahlen sich
sonst unterhalb von 1000 befinden ein großer Plan. Aufgrund des Rekordes und
weil es im Hinspiel zwischen Hooligans vom 1. FC Köln und des KFC Uerdingen
einigen Ärger gegeben hatte zog Victoria für dieses Spiel an einem Mittwochabend
ins Müngersdorfer Stadion des FC um. Sicherlich dürfte auch das parallel
stattfindende Halbfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern
München ein paar Zuschauer gekostet haben, aber die angepeilte Marke wurde mit
3800 zahlenden dann doch sehr deutlich verpeilt. Um so schöner für mich endlich
mal wieder ein Spiel in einem viel zu großen und leeren Stadion zu erleben.
Direkt vorm Stadion gingen einige der KFC Anhänger auf verbale Konfrontation zu
den Kölnern und verwendeten dabei keine allzu feinen Ausdrücke. Wer schon vorm
Spiel so Aggro drauf ist verdient meinen Respekt. Also kaufte ich mir eine
Karte für den Sitzplatzbereich der Gäste. Unter mir tobten etwa 1000
mitgereiste KFC Fans, die die Stimmung im Stadion deutlich dominierten. Ich
erinnere an alle möglichen Erlebnisse im Zusammenhang mit Bayer Uerdingen, und
das betrifft nicht nur das berühmte Uefa Cup Spiel gegen Dresden.
Entsprechend steigere ich mich schön in die Partie, die aber
sportlich auch einiges zu bieten hat. Der souveräne Tabellenführer aus Köln gab
nach zwischenzeitlicher Führung das Spiel aus der Hand und nachdem der KFC den
zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 direkt im Gegenzug mit dem 3:2 konterte
war die Partie eigentlich gelaufen. Köln machte hinten auf, Uerdingen konterte
gefährlich. Etwa eine Viertelstunde umspielte einer deren Stürmer auf das leere
Tor des bereits geschlagenen Torhüters als auf einmal ein
Auswechselspieler der Kölner der direkt
neben dem Pfosten stand zwei Schritte ins Spielfeld machte und den Ball zur
Verwunderung aller klärte. Was folgte war natürlich die Rote Karte für den
betreffenden Spieler und lang anhaltende Tumulte auf dem Platz. Auch aus dem
Krefelder Fanblock flog jetzt alles (Wurstreste, Bierbecher) Richtung Spielfeld was greifbar war. Was
für eine geile Szene! Immerhin die Kölner Feldspieler erinnerten sich an den
Begriff Fairplay und gingen beim dann irgendwann folgenden indirekten Freistoß
aus dem Strafraum, so dass die Uerdinger auf das leere Tor zum 4:2 treffen konnten.
Grenzenloser Jubel auf Seiten der Gäste, die sich jetzt doch noch Hoffnungen
auf die Regionalliga machen dürfen. 

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